Wien erinnert sich an den Ersten Weltkrieg

Wenn es eine europäische Stadt gibt, die sich besonders auf den 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges konzentriert, dann ist es die österreichische Hauptstadt Wien, wo im Laufe des Jahres eine Vielzahl von Ausstellungen zum Thema Krieg eröffnet werden. Diese Aufmerksamkeit mag etwas überraschen, wenn man bedenkt, dass die österreichisch-ungarische Monarchie eine der Mächte war, die durch den Konflikt in die Knie gegangen waren. Wenige andere europäische Nationen würden ihren eigenen Niedergang finden und so fesselnd fallen.

Österreich war 1914 im Zentrum eines riesigen multinationalen Imperiums, und die Wiener Archive sind voll von Fotografien und Dokumenten, die an die vielen Themen der Habsburger Monarchie erinnern, die an den Krieg und die Heimatfront erinnern. Implizit wird bei den diesjährigen Veranstaltungen das Gefühl wahrgenommen, dass Wien noch immer eine Last der Verantwortung gegenüber all denen trägt, die unter österreichischer Flagge kämpften. Und es ist keineswegs nur der Krieg, an den die Wiener erinnern.

Die diesjährigen Veranstaltungen machen auch auf die zwanzigjährige kulturelle Blütezeit des Konflikts aufmerksam, als Schriftsteller, Künstler und Denker wie Gustav Klimt, Arnold Schönberg und Sigmund Freud Wien zum inoffiziellen machten Hauptstadt der europäischen Moderne. Die unruhigen kulturellen Energien von Fin-de-Siecle Wien ist seit langem ein wichtiger Teil der touristischen Attraktivität der österreichischen Hauptstadt - und es ist kein Wunder, dass das diesjährige Jubiläum eine weitere Möglichkeit bietet, dies in den Vordergrund zu rücken. Hier sind sechs Möglichkeiten, sich an den Ersten Weltkrieg in Wien zu erinnern.

Das Auto, die Pistole und der Straußenfederhut

Wie jedes Schulkind wissen sollte, wurde der Ausbruch des Ersten Weltkriegs durch die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo im Jahre 1914 provoziert. Der Wagen, in den er reiste, zusammen mit seiner Uniform, Hut und einem Die Pistolen, die seine Angreifer benutzen, befinden sich heute in einem komplett renovierten Saal des Österreichischen Militärmuseums. Das Display wird am 28. Juni, genau einhundert Jahre nach der Veranstaltung, wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Als Erbe der militärischen Traditionen eines multinationalen Imperiums ist das Museum ein Schwerpunkt des Gedenkens an alle Völker Mitteleuropas. Tschechen, Ungarn, Slowenen und Kroaten dienten an der österreichisch-ungarischen italienischen und russischen Front, ein Punkt, der durch die neu gestaltete Dauerausstellung, die derzeit für den Sommer 2014 vorbereitet wird, gut gelungen ist.
Ab dem 28. Juni

Der Ruhm und das Düsternis

Die größte und umfassendste Ausstellung des Ersten Weltkrieges, "Glory and Gloom: Leben mit dem Ersten Weltkrieg", ist der historische Blockbuster, den die meisten österreichischen Bus-Partys anstehen werden. Auf der Schallaburg bei Melk, westlich von Wien, werden in der Ausstellung persönliche Geschichten der von den Folgen des Konflikts geprägten Menschen - Soldaten und Zivilisten - präsentiert. Die Ausstellung hat einen internationalen Schwerpunkt und zeigt auch, wie global der Krieg für die Österreicher selbst wurde: Österreichisch-ungarische Einheiten dienten in Deutsch-Ostafrika, während österreichische Seeleute, die 1914 im Fernen Osten gefangen wurden, den Krieg als Kriegsgefangene in Japan verbrachten.
28. März - 9. November

Und doch war da Kunst!

Der Künstler Egon Schiele hatte einen relativ leichten Krieg, bewachte russische Kriegsgefangene in einem kleinen Internierungslager und zeichnete in seiner Freizeit Porträts. Seine Erfahrungen waren sehr unterschiedlich zu denen des Tiroler Malers Albin Egger-Lienz, der an der italienischen Front diente und einige der eindringlichsten, gequältesten und verstörendsten Bilder des österreichischen Krieges hervorbrachte. Beide Künstler sind prominent in And Yet There Was Art! Österreich 1914-1918 im Leopold Museum, ein aufschlussreicher Blick auf die vielfältigen Reaktionen der österreichischen bildenden Künstler auf den Konflikt. Schieles Glück hielt nicht an - er starb am 31. Oktober 1918, dem Tag, an dem das österreichisch-ungarische Reich nicht mehr existierte, an der Grippe.
9. Mai - 15. September

Armageddon: Jüdisches Leben und Tod im Ersten Weltkrieg

Die Ausstellung im Jüdischen Museum in Wien weist ausdrücklich darauf hin, dass die österreichischen Juden die Kriegsanstrengungen ebenso unterstützt haben wie die vielen Gemeinden des Reiches - bis zu 300.000 Juden in den österreichisch-ungarischen Streitkräften. Die Ausstellung zeigt, wie zentral die Juden für das Wiener Leben waren, wobei jüdische Journalisten, Geschäftsleute und öffentliche Intellektuelle an der Heimatfront prominente Rollen spielten.
2. April - 14. September

An mein Volk: Der Erste Weltkrieg 1914-1918

Benannt nach "An Meine Völker!", Der berühmten Ausrufung Kaiser Franz Josefs über den Kriegsausbruch, dokumentiert die Ausstellung von Plakaten, Postkarten, Fotografien und privaten Zeichnungen der Österreichischen Nationalbibliothek die visuelle Wirkung des Krieges auf die Wiener Stadtszene.
13. März bis 2. November

Erster Weltkrieg in Wien: Stadtleben in Fotografie und Grafik

Die umfangreichen Archive des Wiener Stadtmuseums werden geöffnet, um diese reiche und bewegende Sammlung von Bildern zu zeigen, die das Leben der Zivilbevölkerung während des Krieges dokumentieren und die Alltagsroutinen mit der Not von Armut und Hunger und kurzen Momenten der Freizeit kontrastieren.
18. September - 11. Januar 2015

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