Reiseschriftwettbewerb 2016: Der Gewinner!

Nach mehr als 800 Einträgen und Wochen der Überlegung freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Olivia Toye die Gewinnerin des Reiseschriftwettbewerbes Rough Guides and GapYear.com ist. Glückwunsch Olivia!

Die Richter waren besonders beeindruckt von ihrem geschickten Geschichtenerzählen und trugen den Leser durch ihr Stück mit detailed Beobachtungen neben Darstellungen der majestätischen Landschaften der Region.

Sie können ihren vollständigen Eintrag unten lesen. Die Artikel der Zweitplatzierten können hier gelesen werden.

Der schönste Ort der Welt

Eine Familie von Tibetern, geschwollen und plump aus dicken Schichten Yak-Wolle-Kleidung, starren mit Verwirrung von den Begrenzungen ihrer Steingartenwand. Die älteste Dame, die unsere Richtung annimmt, zeigt den Hügel hinauf und murmelt etwas auf Tibetisch.

Sie haben kleine karmesinrote Wangenränder von Jahren beißender Bergkälte, ihre Haut hat den dumpfen Glanz von abgenutztem Leder und ihre Augen zeigen einen beständigen Blick von Neugier. Zweifellos neugierig auf uns, als wir den staubigen Pfad hinaufklettern, der sich über die bescheidene Siedlung aus robustem Stein und beeindruckender Handwerkskunst schlängelt.

Hände auf den Hüften und leicht gebeugt im Schein der frühen Frühlingssonne sind wir atemlos, aus der dünnen Luft auf 4010m Höhe und von der phänomenalen Naturschönheit, die vor uns liegt. Den Horizont durchbohren ist das tibetische Plateau, das Dach der Welt.

Es ist eine seltsame Schönheit in den Tiefen des tibetischen Sichuan. Sie sind roh und dramatisch, mit ihren furchterregenden grauen Bergen, die mit einem zarten Schnee-Schein gekrönt sind, und erheben sich so hoch über den endlosen Graslanden, dass es ihr irgendwie gelingt, die raue Weite darunter zu verbergen.

Bild von Olivia Toye

Als wir uns an diesem Morgen durch den Pass nach Tagong gewunden hatten, war die kursive tibetische Schrift auf großen glatten Felsbrocken entlang des Flussbettes gemalt. Ein buddhistisches Gebetsblatt sprudelt durch das Tal.

Es ist ein unerklärliches Gefühl, irgendwo zu sehen, was durch solche religiöse Bedeutung, durch die Beharrlichkeit einer traditionellen Kultur, durch Verfolgung und Besatzung definiert wird. Obwohl die Tage von Dschingis Khans Schwert schwingenden mongolischen Armeen vorbei sind, hinterlässt der chinesische Griff in der Heimat des Gottkönigs immer noch einen dichten Schleier des Geheimnisses um die Nomaden.

Doch in dieser kleinen tibetischen Stadt im westlichen Sichuan gibt es fast keine Spur von den Chinesen. Die Leute sind größer und breiter. Die Farben sind reicher; tiefe Burgunder und gebrannte Orangen ersetzen die Prahlerei von Neonrot. Die mutigen Laute des Sichuan-Dialekts verblassen zum melodischen Raspeln des Tibetischen, und niemand eilt. Es ist ruhig.

Wir sitzen draußen vor dem Kloster und beobachten, wie Menschen kommen und gehen. Die Mönche schlurfen über den gepflasterten Steinboden von einer Seite der Verbindungsmauer zur anderen, wo sich die großen Tonnen wie Gebetsmühlen mit buddhistischen Hoffnungen drehen. Die Matriarchinnen in ihrem tibetischen Kleid sitzen in Dreier- oder Vierergruppen und plappern, werfen ein wachsames Auge auf die Kleinen - nichts als rosige Wangen und schmuddelige kleine Hände, die aus ihrem Wickel hervorschauen.

Wenn die Sonne auf Tagong fällt, verstärken sich die Farben in der goldenen Farbe; die Berge stehen in ihrer ganzen Majestät fast im Schutz des Landes unter ihnen. Wir haben China verlassen; das einzige, was westlich ist, ist die Wildnis des Plateaus. Wir sind fast in Tibet.

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